Der Selbsttest – Handysucht – Sind wir abhängig von unserem Handy?

HandysuchtMein Name ist Nico, ich bin 28 Jahre alt und komme aus der Hansestadt Rostock. Mit 11 Jahren kaufte mein Vater mir mein erstes Handy. Es war damals noch ein Bosch Handy mit ausziehbarer Antenne und E-Plus Kartenvertrag. Meine erste Handyrechnung betrug bereits nach 10 Tagen ca. 98,- DM. Das waren noch Zeiten und vorallem astronomische Preise.

Als die WAP Handys in Mode kamen, bekam ich ein Nokia 7110 mit grünem Display und die Möglichkeit begrenzt das Internet auf dem Handy nutzen zu können. Das waren Onlinedienste wie eBay, GMX und T-Online E-Mail. Eben alle Unternehmen, die es sich leisten konnten und es als wichtig ersahen, mobile Dienste anzubieten.

Soweit die Vorgeschichte zu mir als langjähriger Handyfreak. Mittlerweile hat sich bei der Tarifgestaltung der Mobilfunknetze sehr viel getan und die Handys haben sich enorm weiterentwickelt. Wir sagen zwar alle noch Handy, aber in Wirklichkeit sind es kleine Computer mit einer unglaublichen Leistung, wovon so manch ein Windows XP Benutzer noch vor gar nicht langer Zeit nur geträumt hat.

Können wir von Handysucht sprechen?

Sind wir wirklich so abhängig von unseren Handys, oder wofür ist unser geliebtes Smartphone wirklich wichtig? Ich selbst nutze mein Handy gar nicht wirklich zur Kommunikation, wie es manch anderer tut. Selbstverständlich nutze ich häufig WhatsApp oder schaue auch 2-3 mal am Tag bei Facebook rein. Trotzdem sind meine 200 MB Traffic bei Vodafone binnen 5 Tagen aufgebraucht. Warum das so schnell geht, hat bei jedem Handynutzer unterschiedliche Gründe, die man nicht unbedingt ausdiskutieren muss.

Die meisten Griffe in die Hosentasche, zum Handy mache ich aber eigentlich nur, um entweder die Uhrzeit zu checken, E-Mails abzufragen oder in der Bahn App nach dem aktuellen Fahrplan zu schauen. WhatsApp Chats werden von mir in der Regel erst später beantwortet, wenn Zeit dafür ist oder die Dringlichkeit der Nachricht es sofort erfordert, deshalb habe ich bisher selbst nicht von Handysucht gesprochen.

Endlich Handyfrei

Als ich am späten Freitag Abend meine Wohnung betrat, legte ich das Handy einfach auf den Schrank, ohne es wie gewohnt an das Handyladegerät anzuschließen. Am nächsten Morgen war ich einfach zu bequem das Kabel aus der Tasche zu holen und das Handy wieder in Betrieb zu bekommen.

Erstaunlich, welche Gewohnheiten wir uns durch das Smartphone aneignen. Wie oft habt Ihr früher euer Handyladekabel eingesteckt, als die Handys 14 Tage ohne Akku Ladevorgang ausgehalten haben? Wahrscheinlich war das nur der Fall, wenn es paar Tage in den Urlaub ging. Und auf Auslandsreisen sowieso nicht, weil das Telefonieren, ohne die EU-Preisbremse für Roaming, einfach unbezahlbar war.

Wieder zurück zum Thema: Ich war also zu bequem das Handy zu Laden. Irgendwann dachte ich mir dann, dass ich dieses Wochenende doch lieber die Zeit für mich alleine haben möchte und mich niemand belästigen soll. Also habe ich mein privates sowie mein Diensthandy einfach ausgeschaltet gelassen und mich einigen Aufgaben gewidmet, die ich schon Wochen und Monate vor mir her schiebe. Da mich niemand mehr anrufen konnte, hatte ich ja jede Zeit der Welt, meine Aufgaben erfolgreich zu erledigen.

Genau das habe ich dann auch getan. Zu meinem Erstaunen, konnte ich meine Aufgaben zielgerichtet erledigen und wurde nicht durch die Vibration von irgendwelchen App Meldungen, Nachrichten oder die eigenen unnötigen Blicke auf das Handy, abgelenkt.

Nutzungsverhalten vieler Handybesitzer grenzt an Handysucht

Da ich selbst Raucher bin, spreche ich vermutlich aus der Seele vieler Raucher, wenn ich behaupte, dass die Nutzung des Handys oft nur sinnloser Zeitvertreib ist.

Als Raucher zünde ich mir zum Beispiel immer eine Zigarette an, wenn ich noch 5 Minuten auf die Bahn warten muss.

Als Smartphohne Nutzer greife ich noch viel häufiger zum Handy, wenn ich paar freie Minuten habe, zumal man das Handy fast überall nutzen darf. Und selbst dort wo es verboten ist, wird es trotzdem getan (Tankstellen, Krankenhäuser). Schon alleine dieses Verhalten zeigt doch, wie abhängig wir von dem Griff zum Handy sind.

Stellt Euch doch einfach mal an einen belebten Platz in eurer Stadt und seht euch um, wie viele leute auf Ihrem Handyrumtippen. Ich hatte sogar mal gelesen, dass Frauen bis zu 4 Stunden am Tag WhatsApp nutzen. Ist das nicht der Wahnsinn?

Ganz ohne Technik geht am Ende doch nicht

Zwar war ich das ganze Wochenende Handyfrei, jedoch nicht frei von Technik. Was ich aber mit den ständigen Blicken auf das Smartphone nicht vergleichen möchte. Meine Aufgaben waren zu 90% am Laptop zu erledigen. Was bedeutet, dass ich trotzdem die ganze Zeit online war. Mein Ziel war es, nicht für Chats, Anrufe und andere Ablenkungen greifbar zu sein. Deshalb habe ich auch hier auf Facebook verzichtet.

Mein Gedanke war, wenn jemand etwas wichtiges möchte, kann er mir eine E-Mail schreiben oder ganz klassisch an der Türe klopfen.

Bin ich ohne Handy unnormal?

Als ich dann Sonntagabend endlich mal mein Facebook öffnete, erhielt ich einige Nachrichten mit der Nachfrage, ob bei mir alles in Ordnung sein, da keine WhatsApp Nachrichten übermittelt werden (nur ein Häkchen) und das Handy scheinbar ausgeschaltet ist.

Paar Stunden zuvor habe ich meiner Mutter einen Besuch zum Muttertag abgestattet und selbst Sie hatte sich Sorgen gemacht, weil es unüblich ist, dass mein Handy einfach dauerhaft ausgeschaltet ist.

Ich muss dazu sagen, dass ich mir auch Gedanken machen würde, wenn jemand urplötzlich nicht mehr telefonisch und anderso erreichbar ist. Eine vorherige Ankündigung für solche Handypausen ist sinnvoll.

Mein Fazit zur Handysucht

Durch mein handyfreies Wochenende, habe ich festgestellt, wie unnötig häufig ich auf mein Handy geschaut habe und das man das Handy nicht zwingend zum Überleben braucht.

Aus genau diesem Grund werde ich häufiger handyfreie Tage oder auch mal nur Stunden ohne Handy einlegen.

Habt Ihr Fragen zu meinem Artikel? Schreibt mir ruhig bei Facebook.

Dieser Artikel wurde am 11.05.2015 veröffentlicht.